Nicht ausgeliefert: Was ich nach Unfall und Verletzung gelernt habe
In der letzten Folge habe ich dich mitgenommen und dir erläutert, wen ich begleite und wie meine Begleitung konkret aussieht. Heute mag ich dich mitnehmen in meinen Rückblick und in ein paar wertvolle Erkenntnisse, welche ich aus meinen Erfahrungen mitgenommen habe.
Vielleicht lebst du zurzeit mit körperlichen Veränderungen, die deinen Alltag beeinflussen?
Vielleicht stellst du dir folgende Fragen: Was kann ich überhaupt noch? Wie soll ich meinen Alltag schaffen? Warum fällt mir das so schwer? Oder aber: Wie kann ich mein Leben weiterführen, auch wenn gerade nicht alles so möglich ist wie vorher?
Diese Folge ist für dich, wenn du dich manchmal deiner körperlichen Situation ausgeliefert fühlst und dich fragst, was du selbst tun kannst, damit es dir im Alltag besser geht.
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Bei mir jährt sich in einer Woche wieder ein besonderer Jahrestag, denn vor 25 Jahren hatte ich einen Reitunfall, der damals einen enormen Einfluss auf mein Leben hatte.
Durch die Verletzungen war ich zum ersten Mal in meinem Leben eingeschränkt, denn die Diagnose war: ein schweres Schädel-Hirn-Trauma. Die Folgen im Alltag waren damals fatal. Ich war knapp 17 Jahre jung und hatte Pläne. Auf einmal stand alles in Frage. Heute würde niemand mehr annehmen, dass ich diesen Unfall und diese schweren Verletzungen hatte, weil von den Folgen heute nichts mehr zu spüren ist. Dafür bin ich sehr, sehr dankbar. Trotzdem ist dieser Jahrestag immer wieder etwas Besonderes. Auch vor 9 Jahren veränderte ein anfangs unwichtiges Umknicken mein Leben auf eine Weise, die ich nicht erahnen konnte. Fragen wie:
Wie viel Bewegung ist okey?
Wie gehe ich damit um, dass mein Körper nicht mehr so funktioniert wie gewohnt?
Wie soll ich meinen Alltag bewältigen?
Warum fällt es mir so schwer, zu sagen: „Ich brauche Hilfe.“
Werden meine Beschwerden sich lindern? Werde ich wieder gesund?
Wie wird mein Leben aussehen?
All diese Fragen schwirrten mir durch den Kopf.
Ich lebte in den Tag hinein und neben medizinischen Untersuchungen und Arztterminen wurde mir klar: Ich kann selbst sehr viel für mich machen, um mein Wohlbefinden zu verbessern, neben den medizinischen Behandlungen. Das war mein absoluter Gamechanger. Dadurch, dass ich das erkannte, veränderte sich alles. Denn ich bemerkte, wie selbstwirksam ich war und welch großen Einfluss ich auf MEIN Wohlbefinden hatte. Ich erkannte, dass mein Wohlbefinden nicht nur abhängig von einer Diagnose oder Behandlungen des Arztes oder anderen medizinischen Instanzen, ist.
Ich konnte also selbst enorm zu meinem Wohlergehen beitragen. Ich fühlte mich dadurch nicht mehr ausgeliefert gegenüber dem, was ein Arzt diagnostizierte oder an Behandlungen durchführte, sondern konnte selbst auch dazu beitragen, dass meine Lebensqualität sich, trotz meiner körperlichen Beschwerden und gesundheitlichen Herausforderungen, verbesserte. Ich erkannte, dass ich mehr Handlungsspielraum hatte, als ich zunächst dachte und begann, meine Situation aus einer anderen Perspektive zu betrachten.
🌿 Ich hatte dadurch Einfluss auf den Moment. Denn ich fühlte: Ich kann etwas bewirken. Ich bin nicht all dem ausgeliefert.
Fühlst du dich manchmal hilflos und ausgeliefert?
Bist du verunsichert?
Erlebst du dich gerade als abhängig von den Entscheidungen und Einschätzungen anderer?
Hast du manchmal das Gefühl, machtlos zu sein und deine Situation nicht selbst verändern zu können? Kennst du dieses Gefühl der Ohnmacht, wenn du deinen Körper nicht so beeinflussen kannst, wie du es gerne möchtest?
Die für mich wichtigste Erkenntnis überhaupt war: Ich kann meine körperliche Situation vielleicht nicht verändern. Aber ich kann beeinflussen, wie ich damit umgehe und was ich in meinem Alltag daraus mache.
Ich begann zu verstehen, dass ich unbewusst darauf gewartet hatte, dass jemand anderes mir hilft. Ich wartete darauf, dass eine Diagnose, eine Behandlung anschlägt und sich somit meine Lebensqualität verbessert. Ich habe mein Wohlergehen also komplett in die Hände anderer gelegt und nahm mir somit selbst die Möglichkeit, mein Leben zu gestalten. Ich erzähle dir all dies, weil wir uns oft in Abläufen wiederfinden, welche nicht unserem Sein entsprechen, uns nicht guttun und wir es noch nicht mal wahrnehmen. Vielleicht werden auch dir gerade Verhaltensmuster bewusst, die dich einschränken?
Ich spürte, dass egal wie viel Raum meine gesundheitlichen Einschränkungen in meinem Alltag einnehmen, ich es zum Teil in der Hand habe, wie ich es angehe. Und das motivierte mich enorm. Den bereits mit kleinen Schritten, spürte ich, wie sich mein Gefühl für das Leben in meinem Alltag veränderte.
Was mir also geholfen hat: Ich begriff, dass ich einen Einfluss auf das Hier und Jetzt habe. Ich kann jetzt in diesem Moment etwas tun, damit ich mich wohler fühle, egal wie anstrengend es gerade ist. Ich habe einen direkten Einfluss auf die momentane Situation und diese Erkenntnis hat mich sehr gestärkt. Meine Selbstwirksamkeit kam zurück und das tat mir soo unfassbar gut.
Du kannst das auch: Wenn du dich das nächste Mal im Alltag in einer Situation wiederfindest, die dich herausfordert, in der du denkst „Das nervt mich“ oder „Das klappt jetzt nicht so, wie ich es mir vorgestellt habe“, dann überlege, was dir helfen könnte. Ein Beispiel wäre, wenn du dich wegen deiner Beschwerden mehr ausruhen musst oder den Alltag schwerer bewältigen kannst. Dann kannst du dich darüber aufregen, was schon wieder nicht funktioniert hat oder aber du sagst: „Ok, ich bin genervt, ich mag mich mehr bewegen oder dies und das Erledigen, doch es klappt gerade nicht. Doch ich kann momentan nichts an meinen körperlichen Beschwerden ändern.“ Und dann schaust du, was du in dem Moment, in dem du gerade bist, tun kannst, damit DU dich wohler fühlst. Du gehst somit weg von dem Aufregen und dem Gefühl des Genervt Seins und entscheidest dich dagegen, weil es dir dadurch noch schlechter geht. Du wirst selbstwirksam und sagst: „Ok, dann überlege ich, wie ich die Zeit, in der ich mich ausruhe, schöner für mich gestalten kann.“ Z. B. mit dem Anschauen eines Filmes, einem Telefonat oder dem Erstellen einer Einkaufsliste. Vielleicht magst du auch ein Buch lesen oder dir eine Podcastfolge anhören. Es gibt so viele Möglichkeiten, wie du dir diese Zeit gestalten kannst. Du handelst in dieser Situation selbstermächtigt und hast einen Einfluss auf dein Wohlergehen und deine Lebensqualität. Dies lässt sich auf ganz unterschiedliche Situationen in unterschiedlichen Lebensbereiche übertragen.
Wenn du dich schwertust und nicht weißt, wie du in deiner ganz konkreten Situation selbst etwas dafür tun kannst, um mit deiner Belastung umzugehen, dann hol dir Unterstützung. Egal bei wem. Ich biete kostenlose, unverbindliche Erstgespräche an, um dir gerade in einem solchen Fall die Möglichkeit zu bieten, mich kennenzulernen, all deine Fragen zu stellen und gemeinsam herauszufinden, ob ich dich in dieser Phase deines Lebens begleiten kann. Nach dem Gespräch kannst du dann ganz entspannt entscheiden, ob du dich dafür oder dagegen entscheidest.
🌿 Eine weitere besonders wichtige Erkenntnis, die ich aus all diesen Erfahrungen mitnehme, sind meine Gedanken.
Vielleicht kennst du diese oder ähnliche Gedanken: „Es ist so anstrengend.“ Oder: „Das schaffe ich niemals.“ Oder: „Ich funktioniere nicht mehr so wie früher. Was soll ich denn schon tun können? Wenn es heute nicht geht, wird es morgen bestimmt auch nicht besser.“
Ich kenne dies, denn ich habe mir vor 25 und teils auch vor 9 Jahren ähnliche Fragen gestellt und unterschiedliche Gedanken waren präsent. Vor allem die Ungewissheit und Ängste vor der Zukunft forderten mich heraus. Ich nahm also einerseits diese Gefühle wahr, gleichzeitig spürte ich tief in mir, dass es weiterging, auch wenn ich absolut keine Ahnung hatte, wie. Ich lebte von Tag zu Tag und versuchte, diese zu meistern. Ich wollte mich diesen Fragen in meinem Kopf nicht hingeben und wollte nicht, dass Ungewissheit und Angst meinen Alltag beherrschen. Ich realisierte, dass ich einen Einfluss auf meine Gedanken habe, unabhängig davon, was sonst rundherum los ist. Ich hatte auf Vieles keinen Einfluss, doch ich merkte in dieser herausfordernden Zeit, dass ICH entscheide, über was ich nachdenke.
Drehen sich meine Gedanken ständig um meine Zukunft und lasse ich mich von dieser Ungewissheit einnehmen oder versuche ich, meinen Fokus auf das zu richten, was mir noch leichtfällt und was mir jetzt im Hier und Jetzt guttut? Gedanklich also vollkommen im Moment zu sein und sich nur mit dem zu beschäftigen, was in diesem Augenblick passiert. Ich kann die Vergangenheit nicht verändern, weiß nicht, wie meine Zukunft aussieht, doch ich kann jetzt in diesem Moment entscheiden, meine Aufmerksamkeit und meine Gedanken auf das Positive zu richten, auf das, was mir trotz der schwierigen Situation guttut, mich nährt, unterstützt und stärkt.
Diese Erkenntnis war einerseits motivierend, hat mir Mut gemacht und gab mir Kraft, andererseits war es im Alltag aber auch nicht immer umsetzbar. Und das muss es auch nicht. Es gab Tage, an denen fühlte ich Anspannung, vielleicht auch Druck, weil diese Gefühle halt eben auch dazugehören. Denn auch wenn ich wusste und verstand, warum ich es so umsetzen sollte, damit es mir besser geht, fiel es mir trotzdem nicht immer leicht, das zu tun. Es braucht Zeit, neue Gewohnheiten in den Alltag zu integrieren und so war es auch in Bezug auf den Umgang mit meinen Gedanken.
Der erste bedeutende Schritt ist, die eigenen Gedanken wahrzunehmen und zu erkennen. Nimm dir im Alltag immer wieder Zeit, dir die Frage zu stellen, woran du denkst. Dafür benötigt es nur einen kurzen Moment. Was denkst du, wenn du morgens aufwachst?Was denkst du, wenn deine Beschwerden sich mehr zeigen? Oder was denkst du, wenn es anstrengend wird? Schau, welche Momente du dir am Tag herauspicken möchtest und frage dich selbst, welche Gedanken gerade da sind. Du bekommst dadurch mehr Bewusstsein für deine Gedanken und erkennst, welche dir guttun und welche dich belasten, verunsichern, vielleicht auch ausbremsen und dein Wohlbefinden beeinträchtigen. Negative Gedanken können dich daran hindern, zu sehen, was du selbst tun kannst. Allgemein wurde mir bewusst, dass ich dies auf all meine Lebensbereiche übertragen kann, denn: Auf DEINE eigenen Gedanken hast NUR DU Zugang und Einfluss.
Ich mag dir gerne noch folgende Frage mitgeben, die du dir gerne selbst stellen kannst: Welche Gedanken rauben mir zusätzlich Kraft und welche Sichtweisen helfen mir, trotz einer schwierigen körperlichen Situation wieder mehr Handlungsspielraum zu sehen?
Mit diesen Gedanken lasse ich dich nun weiter durch deinen Tag gehen und ich bin gespannt auf deine Rückmeldung. Ich freue mich immer sehr, wenn du mir ein paar Worte dalässt und deine Gedanken mit mir teilst. Falls du meinen Podcast noch nicht abonniert hast, dann mach das gerne, damit du darauf aufmerksam gemacht wirst, wenn eine neue Folge erscheint. Und als Teil dieser tollen Community hilfst du dadurch, den Podcast für andere Betroffene oder Angehörige sichtbar zu machen.
Voll schön, dass du bis hierhin zugehört hast. Ich schicke dir liebe Grüße aus Luxemburg und bis zum nächsten Mal.
Lass uns gemeinsam Lichtblicke sammeln ✨.
Deine Tanja ✨
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