Wenn der Körper plötzlich Grenzen setzt, geraten manchmal auch die Vorstellungen ins Wanken, nach denen wir bisher gelebt haben. Vorstellungen davon, wie das Leben „sein sollte“ und vielleicht auch davon, wie du selbst „sein solltest“.
Du kannst vielleicht nicht mehr so lange arbeiten.
Spontan irgendwohin zu gehen, ist möglicherweise nicht mehr so einfach.
Bei Treffen merkst du, dass du nicht mehr so lange sitzen oder stehen kannst.
Dinge, die du früher ganz selbstverständlich allein gemacht hast, kannst du heute vielleicht nicht mehr ohne Hilfe erledigen.
Und vielleicht brauchst du inzwischen Hilfsmittel, obwohl du eigentlich gerne darauf verzichten würdest. Und während andere scheinbar einfach ihr Leben weiterleben, fragst du dich immer wieder: Was ist für mich überhaupt noch möglich?
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Ich nehme dich heute mit in meine eigene Geschichte und teile mit dir, was mir geholfen hat, meine bisherigen Vorstellungen und Erwartungen zu hinterfragen und herauszufinden, was heute wirklich zu mir und meinem Leben passt.
Diese Folge ist für dich, wenn dein Körper sich verändert hat, du trotzdem weiter versuchst, deinen bisherigen Vorstellungen gerecht zu werden und dies zusätzlichen Druck, Überforderung, Schuld, Scham und Frustration in dir auslöst. Ich teile mit dir, wie du damit umgehen kannst, um Schritt für Schritt wieder mehr Leichtigkeit zu spüren.
Und ich möchte dir vor allem eines sagen:
Dein Wohlbefinden ist das A und O. Es ist dein Leben und deine Entscheidung, wie du es gestalten möchtest. Es spielt eine sehr große Rolle, wie es dir geht, was du fühlst und dass du deine Werte kennst, damit du dein Leben nach deinen Maßstäben gestalten kannst. Es ist von großer Bedeutung, dass du du selbst bist und dich wirklich mit dir selbst verbunden fühlst. Denn dadurch kannst du auch mit deiner gesundheitlichen Situation besser oder sogar leichter umgehen.
Ich weiß als Betroffene, wie es sich anfühlt, wenn sich durch die veränderte gesundheitliche Situation auch andere Lebensbereiche verändern, aber auch die eigenen Überzeugungen, Glaubenssätze und Vorstellungen vom Leben ins Wanken geraten.
Ich wurde in dem neuen Alltag mit meinen gesundheitlichen Beschwerden plötzlich mit ganz neuen Tatsachen konfrontiert, weil mein Körper nicht mehr so „mitgespielt“ hat und ich nicht mehr so „mitlaufen“ konnte wie vorher. Das, was zuvor als selbstverständlich galt, fühlte sich für mich auf einmal nicht mehr stimmig an.
Ich begann mich zu fragen: Ist das eigentlich wirklich meins?
Handle ich auf diese Art und Weise, weil es für MICH wirklich wichtig ist oder habe ich es übernommen, weil es schon immer so gemacht wurde oder weil es selbstverständlich ist? Zum Beispiel: Du machst den Haushalt weiterhin alleine, obwohl er dich körperlich sehr viel Kraft kostet. Ist DIR das wirklich wichtig oder denkst du einfach, dass man seinen Haushalt selbst schaffen sollte?
Mir wurde bewusst, dass wir alle durch Prägungen, übernommene Überzeugungen, Sichtweisen, Denkmuster, gesellschaftliche Erwartungen und Normen, sowie Vorstellungen davon, wie etwas sein sollte, unser Leben leben. Einiges davon tut uns gut, gibt uns Sicherheit und Stabilität. Jedoch haben wir auch vieles davon unbewusst von anderen übernommen, was nicht nur positive, sondern auch negative Aspekte mit sich bringen kann.
Für mich war es besonders wichtig herauszufinden, was mir davon dient und was mich einschränkt oder zurückhält und somit mein Wohlbefinden beeinflusst, weil es mir nicht entspricht.
Deshalb ist es mir wichtig, dir nahezulegen, dich auch mit diesen Fragen auseinanderzusetzen, denn durch deine veränderte gesundheitliche Situation können gesellschaftliche Vorstellungen, Ansprüche oder soziale Normen zusätzlichen Druck erzeugen. Denn wenn du immer wieder zwischen deinen tatsächlichen körperlichen Möglichkeiten und deinen bisherigen Vorstellungen vom Leben stehst, können ganz unterschiedliche Gefühle entstehen: Überforderung, Frustration, Schuldgefühle, Scham, Angst vor Ablehnung, Trauer, Hilflosigkeit oder ein Gefühl von Abhängigkeit.
Die Auseinandersetzung mit diesen Fragen war für mich eine sehr wertvolle Erfahrung.
Heute teile ich mit dir, was mir persönlich Erleichterung gebracht hat, ergänzt durch meine Expertise als systemische Coachin.
Auf geht’s mit ganz konkreten Fragestellungen, die du für dich nutzen kannst:
🧡 Für wen lebst du eigentlich nach diesen Vorgaben?
Hältst du dich manchmal an etwas fest, obwohl es dir nicht guttut, weil du glaubst: „So muss es eben sein.“ Oder „Du kannst doch jetzt nicht absagen“ oder „So schlimm ist es doch noch gar nicht.“
Was mir geholfen hat: Ich habe mich zuerst mit zwei Fragen auseinandergesetzt:
Welche Vorstellungen, Glaubenssätze und Überzeugungen habe ich?
Und woher kommen diese Vorstellungen eigentlich? Sind es meine oder habe ich sie übernommen?
Die eigenen Vorstellungen, Prägungen, aber auch übernommenen Überzeugungen und gesellschaftlichen Erwartungen zu erkennen, ist für mich der erste und auch bedeutendste Schritt. Wahrzunehmen, dass du diese Vorstellung, diesen Glaubenssatz oder aber auch dieses Denkmuster hast, ist elementar. Denn erst wenn du diese Sichtweise erkannt hast, kannst du reagieren und etwas verändern.
Schau dir also an:
Welche Vorstellungen, Überzeugungen oder Glaubenssätze stecken hinter dem, was du im Alltag von dir erwartest?
Zum Beispiel: Du denkst: „Ich muss nach der Arbeit noch einkaufen, kochen und mich um alles kümmern.“ Aber warum eigentlich? Weil dir das wichtig ist? Weil du gerne für andere sorgst? Oder weil du davon überzeugt bist, dass du das als Frau, Partnerin oder Mutter eben tun solltest?
Nimm dir Zeit und überlege, welche Situationen ein ungutes Gefühl in dir auslösen. Wo empfindest du Druck, Scham oder andere Gefühle, die eine Schwere in dir auslösen? Schreib sie dir wie im vorherigen Beispiel auf.
Anschließend gehst du weiter zum zweiten Schritt, denn nachdem du nun erkannt hast, was dir deinen Alltag erschwert, darfst du dir folgende Frage stellen:
Woher kommen diese Vorstellungen eigentlich?
Hast du sie übernommen? Von deinen Eltern, anderen wichtigen Bezugspersonen, Geschwistern, Lehrern oder von der Gesellschaft. Ist es vielleicht Teil deiner Kultur? Oder haben eigene Erfahrungen dich geprägt? Es lohnt sich wirklich, dir die Zeit zu nehmen und zu schauen, welche Vorstellungen wirklich deine eigenen sind und welche du irgendwann übernommen hast.
Die treffende Frage, die du dir anschließend stellen kannst, ist: Sind sie wirklich meine? Und das ist bereits der nächste Schritt. Und zwar darfst du dich fragen:
🧡 Was ist mir tatsächlich wichtig?
Ist es dir besonders wichtig, nicht abzusagen oder ist das die Überzeugung deiner Mutter, dass sich das nicht gehört? Bist du davon überzeugt, dass man es auf diese Weise machen soll oder gehört es zu der gesellschaftlichen Norm? Sind deine Beschwerden wirklich „nicht so schlimm“ oder hast du als Kind gelernt, dass der Arzt am besten beurteilen kann, ob etwas schlimm ist oder nicht?
Was mir geholfen hat: Ich habe mir den Zettel mit den aufgelisteten Glaubenssätzen, Überzeugungen, usw. von vorhin hergeholt und hab geschaut, wie ich heute, in dem Moment, dazu stehe.
Was brauche ich heute mit meinem Körper, so wie er heute ist?
Um auf das vorherige Beispiel zurückzukommen. Was brauche ich jetzt, in diesem Moment, nachdem ich von der Arbeit zurückgekehrt bin? Was brauche ich wirklich, wenn ich davon absehe, dass meine Mutter nach der Arbeit einkaufen ging, das Essen zubereitete und sich um die Wohnung gekümmert hat? Was steckt dahinter und ist das wirklich noch das, was mir entspricht?
Was davon möchte ich beibehalten und was darf ich anders gestalten?
Schau da ganz konkret, was du verändern oder auch beibehalten möchtest, weil es dir wichtig ist. Du musst dein ganzes Leben nicht nach gesellschaftlichen Vorstellungen ausrichten.
Für mich war es damals wichtig zu erkennen:
Wie geht es mir damit?
Wie sehe ich dies oder das?
Wie fühlt es sich für mich an?
Ist dieser Wert auch für mich so stimmig oder nicht?
Werte ich diese Vorgehensweise ab, weil sie nicht mit meinen Werten übereinstimmt, oder habe ich diese Einstellung vielleicht unbewusst von jemand anderem übernommen?
Wer bin ich als Mensch, wenn ich einige Dinge anders sehe als der Großteil der Gesellschaft?
Du darfst deinen eigenen Weg finden. Ist der Haushalt nicht deine erste Priorität, sondern eher dein Wohlbefinden? Dann Go for it. Schau, ob du dir Unterstützung holen kannst, um den Haushalt zu machen, vielleicht den Partner, eine Putzhilfe dazu holen oder dich einfach nur dafür entscheiden, dass es bei dir zu Hause nicht immer blitzblank sein muss. Dass die Wäsche auch mal da stehen darf und der Kühlschrank nicht voll sein muss. Das Bedeutendste dabei ist, du trennst dich von der Überzeugung, dass du dich täglich nach der Arbeit darum kümmern musst, weil es dir nicht entspricht. Deine Mutter hat sich damals dafür entschieden und dir das vorgelebt. Das bedeutet jedoch nicht, dass du das auch so übernehmen sollst. Und vor allem hat es nichts mit deinem Wert zu tun, ob du das machst oder nicht. Löse dich davon, denn glaub mir, es erleichtert wirklich dein Leben. Und auch wenn du am Anfang nicht weißt, woher was kommt, das ist nicht schlimm. Geh Schritt für Schritt, erlaube dir, langsam da reinzukommen und dir anzuschauen, was da ist.
Du musst nicht alles ändern, sondern entdeckst neue Handlungsmöglichkeiten und neue Lichtblicke im Alltag.
Und zum Schluss mag ich nochmal auf die Anfangsfrage zurückzukommen:
Was, wenn die Frage nicht lautet: Wie schaffst du es, wieder so zu funktionieren wie früher? Sondern: Wie möchtest du dein Leben heute gestalten, so dass es zu dir und deinen Möglichkeiten passt? Und das finde ich ist das Wertvollste überhaupt.
Und genau das kann ich mir mit dir in einer Coachingstunde gemeinsam anschauen. Wir würden je nach Situation zum Beispiel deine Tagesgestaltung, deine Grenzen und deine Erwartungen an dich anschauen und vieles mehr. So, dass du gestärkt aus dieser Stunde herausgehst und etwas Konkretes für dich mitnehmen kannst, das du auch im Alltag für dich umsetzen kannst.
Ich finde es voll schön, dass du eingeschaltet hast und dich somit gut um dich kümmerst.
Vergiss nie: Es geht in deinem Leben um dich! Um dein Wohlbefinden und darum, dass du du selbst sein kannst.
Bis zum nächsten und bis dahin: Lass uns gemeinsam Lichtblicke sammeln ✨.
Deine Tanja ✨
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